GESCHICHTE DER EISARENA KÖNIGSSEE

 
 

Zwischen dem mächtigen Watzmann-Massiv und dem Grünstein liegt eine der modernsten und die zugleich erste Kunsteisbahn der Welt, die Deutsche Post Eisarena Königssee. Unterhalb der traditionsreichen Sportstätte befindet sich der Königssee, der sich fjordartig seinen eindrucksvollen Weg in das Gebirge bahnte und dem die Eisarena ihren Namen verdankt.

1959

Die durchwegs schattigen Felder, auf denen die Eisbahn heute steht, wurden in den 1950er Jahren als der geeignete Standort für die Errichtung einer Rodelbahn bestimmt. Mit der tatkräftigen Unterstützung des Fremdenverkehrsverbandes des Berchtesgadener Landes und der Hilfe zahlreicher Freiwilliger begann schließlich im Jahr 1959 der Bau einer Rodelanlage mit Naturvereisung. Die Planung und Konstruktion nahmen damals Lorenz Lenz jun. und sein Bruder Sepp Lenz vor, wobei die ausschlaggebende Motivation von Lorenz Lenz sen. ausging.

 
 

Die Meinung, das Gelände könnte zu flach sein, wies Lorenz Lenz jun. als gelernter Vermessungsingenieur grundlegend zurück und entwickelte eine Streckenführung, die sich den natürlichen Geländegegebenheiten anpasste. Die Vereisung der Bahn erfolgte mit Hilfe von Eisblöcken, die aus dem Königssee, Hintersee und vom Aschauerweiher herausgesägt und zur Bahn transportiert wurden.

1960

Im Januar 1960 erfolgte mit den ersten Internationalen Süddeutschen Rennrodel-Meisterschaften die Eröffnung der Eisanlage am Königssee. Um eine Austragung derartiger Wettkämpfe zu ermöglichen, waren pro Saison bis zu 10.000 Eisblöcke für die gesamte Strecke notwendig. In den folgenden Jahren wurde die Bahn immer wieder ausgebaut und modernisiert, um einerseits die Sicherheit der Sportler zu erhöhen und andererseits verbesserte Verfahren der Eispräparation zu ermöglichen.

1962 - 1966

 
 

Ab 1962 konnten neben Rodel-Wettbewerben auch Zweierbob-Wettkämpfe ausgetragen werden. Im Jahr 1963/1964 errichteten die Zimmerleute der Seeschifffahrt ein Zielhaus-Gebäude, das in den folgenden Jahren stetig erweitert wurde und somit Platz für Kampfrichter, Presseleute, Sanitäter und Geräte bot. In der Zeit davor diente ein umgebauter VW-Bus als Zielhaus. Im Jahr 1965 erhielt die Sportstätte den Titel „Bundesleistungszentrum für Rennrodel“. Schon ein Jahr später erfolgten der Bau der Starthäuser und die Asphaltierung der Bahnsohle, um ein Sommertraining mit Räderschlitten zu ermöglichen.

1966 - 1968

Eine kontinuierliche Durchführung von Wettkämpfen konnte trotz größtem Arbeitsaufwand und vielen freiwilligen Mitarbeitern selten gewährleistet werden. Zunehmende Warmwetterphasen waren für ein frühzeitiges Wegschmelzen der Eisschicht verantwortlich. Auf Grund dieser unregelmäßigen Witterungsverhältnisse entschied sich im Jahr 1968 der damalige Präsident des Deutschen Bob- und Schlittensportverbandes Richard Hartmann, eine Kunsteisbahn am Königssee zu erbauen – die zugleich die erste ihrer Art auf der Welt sein würde. Neben dem Standort Königssee strebte auch Garmisch-Partenkirchen ein solches Vorhaben an. Auf Grund der sehr guten Eisbearbeitung, einer professionellen Rennorganisation, dem idealen Geländeprofil und der Fürsprache weiterer bayerischer Rodelvereine fiel die Entscheidung zu Gunsten des Standortes Königssee.

1968

Im Juli 1968 wurde mit den Planungsarbeiten begonnen, die auf Grund der guten Zusammenarbeit aller am Projekt Beteiligten zügig verlief, obwohl die Einholung von 13 Einverständniserklärungen der Grundeigentümer ein herausforderndes Stück Arbeit bedeutete. Der anschließende Bau dauerte insgesamt nur vier Monate. Die Gesamtkosten von 4,6 Millionen DM trugen zu 80 % der Bund und zu 20 % das Land Bayern. Bereits im Januar 1969 konnten die ersten Rennrodel-Weltmeisterschaften auf der Kunsteisbahn am Königssee ausgetragen werden.

1968 - 1974

Zur selben Zeit wurde am Bundesleistungszentrum in Berchtesgaden ein Mannschaftshaus für die Sportart Rennrodel geschaffen, welches später auch für Bobsportler zur Verfügung stand. Das Gebäude umfasste Schlafräume für 35 Personen, einen Gemeinschaftsraum, einen Unterrichtsraum und eine Küche. Weiter standen den Athleten eine Werkstatt, ein Massageraum und ein Kraftraum zur Verfügung. Im Jahr 1974 wurde das Bundesleistungszentrum mit einer großen Spiel- und Sporthalle, die von Leistungssportlern der verschiedensten Sportarten bis heute regelmäßig genutzt wird, erweitert. Darüber hinaus bietet die Halle dem Breiten- und Schulsport umfangreiche Möglichkeiten.

1975 - 1976

Die Einweihung der weltweit ersten künstlich vereisbaren Startanlage erfolgte im Jahr 1975. Ein Jahr später wurde die Bahn am Königssee für die Disziplin Viererbob homologiert. Hierzu war es notwendig, eine vom Internationalen Bob- und Skeletonverband (IBSF) vorgeschriebene Mindestlänge der Bob-Strecke von 1.200 Metern zu gewährleisten. Dies konnte durch den Einbau eines Kreisels mit einem Durchmesser von 42 Metern und einer Länge von 175 Metern sowie der Verlängerung des Auslaufs erreicht werden.

1978 - 1985

Aus sicherheitsrelevanten Gründen bekamen die See- und Kehlsteinkurve ein neues Querprofil und Kurvenabweiser in Holzbauweise. Anlässlich der bevorstehenden Weltmeisterschaften im Rennrodeln und Bob (1979) mussten 1978 erneut Modernisierungsmaßnahmen vorgenommen werden. Für 2,1 Millionen DM wurde unter anderem der Startbereich für Bob optimiert und bergseitig Zuschauerstege angebracht. 1985 musste das Zielhaus erweitert werden, um notwendige Räumlichkeiten für Doping- und Gewichtskontrollen sowie für Pressevertreter und Ehrengäste zu schaffen.

1991 - 1999

Zur Sicherheit der Sportler wurde in den Jahren 1991 bis 1993 der Auslauf mit der Errichtung der Kurve 19 verlängert. Von 1997 bis 1999 mussten die kältetechnischen Einrichtungen im Maschinenhaus in zwei Bauabschnitten saniert werden, um einerseits eine Energieoptimierung zu erzielen und andererseits den sicherheitstechnischen Anforderungen gerecht zu werden.

2003

Mit Blick auf die Bob- und Skeleton-Weltmeisterschaften 2004 wurde im Vorjahr der gesamte Startbereich neu errichtet und erweitert. In diesem Zuge mussten die Vorbereitungs-, Start- und Anlaufzone sowie das Funktionsgebäude den international geltenden Bestimmungen der IBSF angepasst werden. Diese Baumaßnahme umfasste ebenso den Neubau des Starts der Rennrodel-Damen und -Doppelsitzer. Die Baukosten beliefen sich insgesamt auf 3,055 Millionen Euro.

2010 - 2011

Im Vorfeld der Bob- und Skeleton-Weltmeisterschaften 2011 wurde der gesamte untere Bereich der Bahn neu konzipiert. Der enge Radius der Echowand, der für Fliehkräfte von mehr als dem sechsfachen des eigenen Körpergewichts sorgte, sowie zu geringe räumliche Kapazitäten im Zielhaus und im Auslauf waren mit Blick auf die Bewerbung der Olympischen Winterspiele 2018 dafür ausschlaggebend. Im selben Zeitraum geriet der Kreisel bei Demontagearbeiten in Brand und wurde neu verkleidet. Mit insgesamt 16 Kurven beträgt die Gesamtlänge der Bahn heute 1.640 Meter.

 
 

2014

Im Oktober 2014 sicherte sich die Deutsche Post die Namensrechte der traditionsreichen Sportstätte, die seitdem den Namen Deutsche Post Eisarena Königssee trägt.

2016

Vom 29. bis zum 31. Januar 2016 war die Deutsche Post Eisarena Königssee im Fokus der internationalen Sportszene, als die 46. FIL-Rennrodel-Weltmeisterschaften ausgetragen wurden. Genau 17 Jahre nach den letzten Weltmeisterschaften bot die 1969 erbaute Kunsteisbahn erneut die ideale Plattform für 120 Sportlerinnen und Sportler aus 24 Nationen, um ihre Titelkämpfe auszutragen.

2017

Nur ein Jahr nach der Rennrodel-WM war die Königssee Bahn erneut Schauplatz von Welt-Titelkämpfen: Vom 13. bis 26. Februar 2017 wurden die BMW IBSF Bob- und Skeleton-Weltmeisterschaften im Berchtesgadener Land ausgetragen. Die ursprünglich für Sochi geplante WM wurde nur knapp zwei Monate vor Wettkampfstart an die deutsche Traditionsbahn vergeben, die mit ihrem erfahrenen Organisationsteam eine gelungene Veranstaltung auf die Beine stellte.

2019

Seit 01. Juli 2019 trägt die Kunsteisbahn am Königssee offiziell den Namen „LOTTO Bayern Eisarena Königssee“. Bereits seit sechs Jahren unterstützt LOTTO Bayern den Bob- und Schlittenverband für Deutschland e.V. (BSD) mit einer Werbepartnerschaft. Nun haben sich die beiden Partner auf eine Verlängerung bis 2022 und eine Erweiterung dieses Engagements geeinigt. Neben dem Erwerb des Namensrechts ist LOTTO Bayern „Presenting-Partner“ und einer der Hauptsponsoren der Bob- und Rodel-Weltcups am Königssee.